Architektur in drei Dimensionen

Rieder Gruppe: Stadthaus Ahlen

Rieder Formteile prägen die markante Fassade des Stadthauses Ahlen.

Mit dem neuen Bürgercampus erhält die Stadt Ahlen einen offenen, multifunktionalen Ort, an dem unterschiedliche öffentliche Funktionen räumlich zusammengeführt werden und gleichzeitig neue Verbindungen zwischen urbanem Raum, Stadtpark und Flussufer schafft. Das Stadthaus bildet den ersten Baustein des neuen Ensembles. Seine Lage zwischen Innenstadt und Werse prägt dabei nicht nur die städtebauliche Einordnung, sondern auch die architektonische Gestalt des Gebäudes.

Der Entwurf von Gerber Architekten nimmt Bezug auf die historische Stadtmauer und den Verlauf der Werse. Daraus entwickelt sich ein langgestreckter, verschwenkter Baukörper, welcher die Silhouette prägt. Drei in der Höhe gestaffelte Volumen gliedern sich entlang des Flussraums und schaffen zugleich eine klare Kante zur Stadt. Das Gebäude vermittelt zwischen den unterschiedlichen Maßstäben und Charakteren seines Umfelds.

Im Inneren setzt sich dieses Prinzip fort. Die zentrale Eingangshalle bildet die räumliche und kommunikative Mitte des Stadthauses und stellt eine direkte Verbindung zwischen Stadt und Fluss her. Publikumsintensive Areale liegen überwiegend im Erdgeschoss, darüber befinden sich Arbeitsbereiche und Kommunikationszonen.

Die Fassade als dreidimensionales Relief

Eine besondere Rolle übernimmt die plastisch ausgebildete Fassade. Statt den Baukörper lediglich mit einer flachen Bekleidung zu versehen, wird die Gebäudehülle selbst zum prägenden architektonischen Element. Auf rund 2.000 m² kommen dreidimensionale formparts von Rieder in der Farbe sahara zum Einsatz.

Die reliefartige Fassadengestaltung basiert auf dem Zusammenspiel vertikaler Lisenen und horizontaler Brüstungen. Zusätzlich wurde eine Sonderlösung für die monolithische Eckdarstellung gestaltet. Die markanten 3D-Elemente gliedern die Gebäudehülle und erzeugen durch ihre Auskragungen und Rücksprünge eine differenzierte, rhythmische Tiefenwirkung. Sie legen sich als zusätzliche räumliche Schicht vor die Fassadenfläche und verleihen der ansonsten klar strukturierten Gebäudehülle eine plastische Ausformung. Gleichzeitig tragen die vorspringenden Elemente zur Verschattung bei.

Die skulpturalen Formteile greifen die klare Geometrie des Baukörpers auf und übertragen sie in eine dreidimensionale Fassadenebene. Dadurch entsteht ein Wechsel aus Licht und Schatten, der sich abhängig von Tageszeit und Blickwinkel verändert. Die sandgestrahlte Oberfläche „ferro“ unterstützt diese Wirkung. Sie erzeugt eine zurückhaltende, matte Materialität und macht die Formteile auch haptisch erfahrbar.

Better than Precast: Weniger Material, mehr Form

Die plastische Fassadengestaltung wird durch die besonders schlanke Materialstärke des Glasfaserbetons ermöglicht. Die formparts von Rieder sind lediglich 13 mm dünn. Damit unterscheidet sich die Lösung grundlegend von klassischen, massiven Betonfertigteilen und trägt zur Ressourcenschonung bei. Im Vergleich zu konventionellen Precast-Elementen reduziert die schlanke Bauweise den Materialeinsatz und damit das Eigengewicht der Fassadenelemente. Dies wirkt sich sowohl auf den Transportaufwand und die Montage als auch auf die Anforderungen an die Tragstruktur aus. Gleichzeitig ermöglichen die Formteile eine präzise Umsetzung komplexer Geometrien und großer Spannweiten.

Neben den konstruktiven Vorteilen spielt die Dauerhaftigkeit des Materials eine wichtige Rolle. Die witterungsbeständige und feuchtigkeitsresistente Materialstruktur sowie die geringe Anfälligkeit für Verschmutzungen tragen zu einer langlebigen und wartungsarmen Oberfläche bei. Zudem verfügt das Material über eine hohe Brandbeständigkeit und erfüllt damit wichtige Anforderungen an die Sicherheit der Gebäudehülle. Das geringe Eigengewicht der Formteile ermöglicht darüber hinaus eine vergleichsweise einfache und effiziente Montage vor Ort.

Das Besondere an der Außenhaut: Sämtliche Bauteile wurden werkseitig vorgefertigt und auf die geplante Fassadengeometrie abgestimmt. Die Unterkonstruktion wurde auf der Baustelle passgenau montiert, sodass ein nachträgliches Aufmaß nicht erforderlich war. Für die vertikalen Lisenen, die ausschließlich an den Deckenstirnen befestigt werden konnten, wurde eine spezielle, von Geschossdecke zu Geschossdecke gespannte Unterkonstruktion entwickelt. Auf diese Weise überspannen die vertikalen Bauteile jeweils ein vollständiges Stockwerk.

Für das Stadthaus Ahlen entstand so eine Fassadenlösung, bei der Materialeffizienz, technische Anforderungen und die plastische Gestaltung der Gebäudehülle miteinander verbunden werden.

Weitere Informationen zu Rieder finden Sie auf rieder.cc.

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